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About // Nicole

Nicole Mohrmann ist Stilikone, Influencerin und bereichert München mit zwei experimentellen Luxus Boutiquen für internationale Designermode, Accessoires und Interior Decor. Der Mohrmann Lifestyle? So frisch und virtuos wie die Unternehmerin selbst. Exklusiv, aber entspannt, mit einem Touch Elevated Boho Chic. Ihre kuratierte Kollektion und ihre täglichen Outfit Inspirationen begeistern täglich Follower weit über München hinaus.

Stefanie Kling spricht mit Nicole Mohrmann über Mut und Ängste, über das Meistern von Krisen und die schönsten Momente in bewegten Zeiten.

Ein Interview im Mai 2020

Wie kam es zu Mohrmann?

Ich habe bei Mytheresa den Laden und den Einkauf gemacht. Das war spannend, weil die meisten großen Designer noch keine eigenen Flagship Stores hatten. Die ganzen Luxus Marken gab es eigentlich nur bei uns. Nach der Elternzeit mit meiner Tochter habe ich drei Tage die Woche im neuen Mytheresa als Store Managerin gearbeitet. Mir war das nicht genug. Der Kontakt zu den Kunden hat mir gefehlt. Der Impuls zur Gründung meines eigenen Unternehmens kam von meinem Mann. Ich habe das dann tatsächlich gemacht und meinen ersten Concept Store in den Münchner Fünf Höfen eröffnet, mitten in der Altstadt.

Wie war das anfangs?

Ich hatte alles unterschrieben und fand fast gleichzeitig heraus, dass ich mit meinem zweiten Kind schwanger war. Mein Sohn kam zwei Monate nach dem Store Opening zur Welt. Ich stand bis zum Tag der Geburt hochschwanger im Geschäft. Eine Woche später habe ich ihn einfach in den Laden mitgenommen und zwischendurch gestillt. Ich hatte drei Aushilfen, das hat alles wirklich gut geklappt. Dann kam im selben Jahr der 11. September. Die Menschen haben von jetzt auf gleich aufgehört zu shoppen. Ich bin fast durchgedreht, mit den ganzen Schulden im Nacken. Im November hat das Weihnachtsgeschäft wieder angezogen. Das hat mich gerettet. 

Wie war der Anfang der Pandemie?

Ich war auf Messen in Mailand. Da war plötzlich alles hysterisch. Ein paar Tage später in Paris war die Stimmung noch entspannt. Ich dachte, das wird schon an uns vorüberziehen. Als in Deutschland Ladenschliessungen im Gespräch waren, war ich in Indien bei meinem Nimo Produzenten. Den Start der Pandemie in Europa habe ich nur so halb am Telefon mitbekommen. Dann wurden die meisten Flüge gecancelt, der Rest war ausgebucht. Das war gruselig. In Indien war alles noch ganz normal …

Wie hast du reagiert?

Zunächst praktisch gar nicht. Als ich am 18. März meine drei Mohrmann Stores zusperren musste, habe ich einen Heulflash bekommen. Das war ganz, ganz schlimm. Mein Mann und ich schrieben die Vermieter an, dass wir die Ladenmieten nicht zahlen können. Nach dem ersten Schock kickte dann Aktionsdynamik rein. Du willst das wuppen, dich nicht unterkriegen lassen. Was dann passierte, bewegt mich noch heute: Eine Extremsituation kann ungeahnte Kräfte freisetzen. Das hatte ich so noch nie erlebt. Ich habe sofort alles auf Instagram gesetzt. Das war anfangs nicht easy, ich war total gehemmt. Dann kam das erste positive Feedback und ich habe gemerkt, das geht ja voran!

Traf dich der erste Lockdown?

Doppelt. Als stationären Handel und als eigenes Label. Ich mache ja auch eine eigene Resort Kollektion, Nimo WIth Love. Seit 2009 produziere ich bei der gleichen kleinen Manufaktur in Delhi. Ich habe eine enorme moralische Verpflichtung, die Mitarbeiter dort weiterzuzahlen, no matter what. Und da war noch die produzierte Ware, die nach nach Amerika oder Italien ausgeliefert werden sollte. Das ist war mehr als schwierig.

Wie sehr ist dein Umsatz eingebrochen?

Im stationären Handel natürlich komplett auf Null. Wir haben zu Online gewechselt und damit zwischen 20% und 25% von dem gemacht, was wir sonst in den Läden umsetzen. Trotzdem hat mich das gerettet. Wir konnten immerhin Hersteller und Lieferanten bezahlen. 

Ist Mohrmann eine One-Woman-Show?

Nein. Man kann, glaube ich, nicht so sorglos, erfolgreich und positiv durchs Leben schreiten wie ich, wenn man kein Backup von der Familie hat. Ich habe zwei Kinder, sie waren glücklicherweise während des ersten Lockdowns daheim und konnten mir halbtags helfen. Mein Sohn hat unseren Fahrer abgelöst, der auf die 70 zugeht und den wir keinem Risiko aussetzen wollten. Dann habe ich ein Team im Backoffice, das komplett hinter mir steht – und ich hinter ihnen. Wir sind klein und das soll so bleiben. Ich musste mit Covid niemanden entlassen oder überhaupt darüber nachdenken.

Wie sieht dein Jahr aus?

Im Januar und im September sind die Fashion Weeks in Frankreich, Italien und Amerika. Da ist man dann schon sehr durchgetaktet. Die Pandemie hat das alles durchgewirbelt. aber das hat auch etwas Gutes. Die Fashion Weeks haben sich immer schneller gedreht, es gab immer mehr Pre-Collections, man kam gar nicht mehr aus der Mood, immer noch mehr zu kaufen. Es ist definitiv zu viel Ware am Markt. Durch die Pandemie entwickelt sich hoffentlich eine langsamere Art von Mode.

Woher kommt die Kreativität?

Wenn man mit offenen Augen durch die Welt geht, sieht man schon wahnsinnig viel. Ich bin sehr visuell, mache dauernd Fotos, sauge alles auf. Ich habe Freunde rund um den Globus, auch Künstler. Wenn man in komplett unterschiedliche Welten eintauchen kann, ist das sehr wertvoll. Ich finde es total inspirierend zu sehen, was Menschen in anderen Jobs machen. Da kann man viel rausnehmen und out of the box denken. Manchen Menschen sind meine Kreativität und Energie zu viel. Ich bin oft schon zwei Schritte voraus, das kann für meine Mitarbeiterinnen etwas anstrengend sein …

Wie hältst du dich fit?

Ich bin schon wahnsinnig diszipliniert, sonst würde man das alles gar nicht schaffen. Das heißt nicht, dass ich nicht auch mal abends mehr Wein trinken würde, als mir gut tut. Aber die Disziplin, den Tag zu organisieren habe ich und da gehört Sport einfach dazu. Für mich ist das ein wahnsinniger Ausgleich. Ich stehe um sieben auf, trinke einen Tee mit meinem Mann, dann mache ich in der Regel Sport, gehe mit dem Hund, frühstücke. Dann fängt mein Tag an.

Gibt es Vorbilder?

Ganz spontan: Mutter Teresa. Das klingt gar nicht nach mir, aber ich habe dreimal bei Mutter Teresa gearbeitet. Da hat man etwas ganz Spezielles mitbekommen. Ich habe sie nicht mehr selber erlebt, aber der Spirit lebt dort weiter. Sie hat sich für Menschen komplett aufgeopfert. Dabei hat sie das nicht als Opfer empfunden, sondern als Bereicherung ihres Lebens. Für mich war das eine wahnsinnig schöne Erfahrung. In der Fashion ist vielleicht Dries van Noten eine Inspiration, weil er lange Zeit einfach sein eigenes Ding gemacht hat. 

Eine gute Investition?

Mein sehr spontaner Pop-Up Store in José Ignacio in Uruguay, dem St. Tropéz von Südamerika. Meinen Mann musste ich erst überzeugen, dass sich die Investition lohnt. Hat es aber. Schöner Nebeneffekt: neue Freundschaften in Brasilien. Ich wurde nach São Paulo für eine Nimo With Love Trunk Show eingeladen. Klar hat auch das wieder gekostet, aber es hat mein Leben wahnsinnig bereichert. Ich habe ein völlig anderes Lebensgefühl kennengelernt. Ich war das erste Mal in Brasilien, habe Verbindungen aufgebaut für die Zukunft. Manchmal braucht es Mut für Investitionen, auch wenn man nicht sicher ist, ob sich das lohnt. Anders geht nichts voran.